Institut für Humangenetik

Universität Göttingen

  letzte Änderung:

15.03.2006

 
       
       
   

Informationsblatt

 
   

Molekulargenetische Untersuchung bei Molybdän-Cofaktor-Defizienz

Die Molybdän-Cofaktor-Defizienzen sind seltene autosomal-rezessive Erbkrankheiten (OMIM 252 150, 603707, 603708, 603 930), die meist zum Tod im frühen Kindesalter führen. Erste Anzeichen sind Gedeihstörungen und therapieresistente Krämpfe, später entwickeln sich oft ektope Augenlinsen und cerebrale Atrophien. Derzeit wird eine molekulargenetische Untersuchung bei Molybdän-Cofaktor-Defizienzen weltweit nur von unserem Labor angeboten. Aufgrund der Vielzahl an beteiligten Genen, deren komplexem Aufbau und der Heterogenität der krankheitsverursachenden Mutationen sind diese Untersuchungen sehr aufwendig. Bis zu 80 verschiedene Sequenzierungen müssen durchgeführt werden. Deshalb könne wir diese Leistungen nicht im Rahmen einer Differentialdiagnose anbieten, sondern nur bei biochemisch gesicherter Diagnose.

Die biochemische Diagnostik ist relativ einfach durchzuführen. Bei Molybdän-Cofaktor-Defizienzen ist der Sulfitspiegel im Harn deutlich erhöht. Mit einfachen Sreifentests ("dipsticks", z.B. Merckoquant 10013 Sulfit-Test) sollte frischer Urin dreimal getestet werden. Dieser Test muss aber innerhalb 10 Minuten nach Abnahme und frühestens 10 Tage nach der Geburt durchgeführt werden, um zuverlässige Ergebnisse zu liefern. Bei positivem Sulfit-Test gelingt die Abgrenzung der Molybdän-Cofaktor-Defizienzen von der isolierten Sulfit-Oxidase-Defizienz durch Messung der Harnsäure im Plasma, die bei den Molybdän-Cofaktor-Defizienzen deutlich erniedrigt ist.

Zur Durchführung einer molekulargenetischen Untersuchung nach gesicherter Diagnose (siehe oben) benötigen wir EDTA-Blut von Patienten und ihren Eltern (oder DNA bzw. Zellkulturen). Genaue Angaben über die ethnische bzw. geographische Herkunft der Eltern und möglichst auch der Grosseltern können die Untersuchungen (und damit auch die Bearbeitungszeit) erheblich verkürzen. Bitte fügen Sie immer einen detaillierten Befundbericht bei. Nach Identifizierung der krankheitsverursachenden Mutationen ist bei erneuter Schwangerschwaft der Eltern eine pränatale Untersuchung auch molekulargenetisch möglich. Sollten die krankheitsverursachenden Mutationen noch nicht identifiziert sein, kann eine biochemische pränatale Diagnostik vorzugsweise aus Chorionzotten-Material durchgeführt werden, z.B. im Labor von Cecilee Aquavivabourdain in Lyon (cecile.aquaviva-bourdain@chu-lyon.fr).

Fragen können Sie richten an: PD Dr. Jochen Reiss, Tel 0551-39 12926,

Institut für Humangenetik, Heinrich-Düker-Weg 12, 37073 Göttingen.

 
       
   

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